Garinish Island

Die wahre Geschichte der subtropischen Garteninsel Garinish Island, wie sie bislang eher nicht bekannt war.

Garinish Island, die weltberühmte Garteninsel in der Bantry Bay im Südwesten Irlands, ist so etwas wie die Mainau des Nord-Atlantiks. Garinish Island feiert derzeit den 100. Geburtstag. Geschliffen und geformt wurde das faszinierende Fleckchen Erde in West Cork zwar seit über 300 Millionen Jahren – erst im Jahr 1910 allerdings machte sich ein wohlhabendes britisches Ehepaar daran, die größte Insel im Hafenbecken von Glengarriff in einen einzigartigen botanischen Garten zu verwandeln.

100 Jahre später feierten Briten, Iren, Anglo-Iren und Urlauber den Garten der Familie Bryce, der seit 1954 dem irischen Volk gehört. Und weil es ein tyisch irisches Jubiläum ist, wird die 100-Jahrfeier großzügig in das Jahr 2011 hinein verlängert.

Die offizielle Geschichte von Garinish Island (auch: Ilnacullin Garinish or Garnish) wurde oft erzählt, oft geschrieben und wieder abgeschrieben. Die wahre Geschichte der Insel allerdings liest sich ungleich spannender.

Sie ist so schillernd und vielschichtig wie ihre Erschaffer und ihre ehemaligen Bewohner es waren. Erst allmählich werden verloren geglaubte Details der Insel-Historie wieder zutage gefördert.

Video: Garinish Island


Offiziell geht die Geschichte so:

Am 10. August 1910 kaufte der wohlhabende britische Geschäftsmann und Parlamentsabgeordnete John Annan Bryce vom Britischen Kriegsministerium einen nackten 15 Hektar großen Felsen in Glengarriff Harbour. Sofort setzte er alle Hebel in Bewegung, beauftragte den renommierten Architekten und Landschafts-Designer Harold Peto mit der Planung für ein herrschaftliches Haus und einen ambitionierten Pflanzengarten, heuerte über 100 irische Arbeiter an, ließ tonnenweise Mutterboden auf die Insel schippern und verwandelte eine wilde Natur-Insel binnen weniger Jahre in ein kultiviertes subtropisches Kleinod.

Von 1911 bis 1914 regierten die Bauarbeiter auf der Insel, die eigentlich einmal Ilnacullin, die Insel der Stechpalmen, geheißen hatte – die aufgrund der Nähe zu Glengarriff bei den Einheimischen allerdings nur als Garinish, die nahe Insel bekannt ist. Bald war das Fundament für einen viel versprechenden dreiteiligen Garten geschaffen – mit einem formalen klassischen Park im italienischen Stil, der Bauformen aus Italien, dem antiken Griechenland und aus Japan zitiert, mit einem wilden Landschaftspark und einem ummauerten Garten. Im klassisch-formalen Teil entstanden eine Casita für Tee-Gesellschaften, ein Seerosenteich mit Merkur-Statue, ein Medici-Haus, das den Blick auf Glengarriffs Hausberg Sugarloaf einrahmen würde, sowie ein kleiner griechischer Rund-Tempel.

Die offizielle Version der Geschichte weiß auch, dass der vornehme und einflussreiche John Annan Bryce am Ende des Ersten Weltkriegs in Russland auf den Goldfeldern der Lena einen Gutteil seines Vermögens ließ. Sie verschweigt aber bereits, dass Bryce mit der 22 Jahre jüngeren Violet nicht immer glücklich verheiratet war. In jenen Jahren des ausgehenden Britischen Empires nannte man Violet Bryce standesgemäß Mrs. Annan Bryce – Frau Annan Bryce. Violet war freilich mehr als das Anhängsel ihres Gatten.

War Herr Bryce in den Augen der Welt der große Macher und Gestalter – tatsächlich hatte er Ahnung von Pflanzen und Gartengestaltung – so fühlte er sich in Wahrheit bisweilen als Getriebener. Gattin Violet nämlich, Tochter eines hoch-dekorierten englischen Offiziers, war bei der Insel-Akquisition die treibende Kraft. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts reiste die ihrer Zeit stets vorauseilende Violet gerne alleine oder mit ihrer berühmten Cousine, der Revolutionärin Constance von Markievicz, nach Glengarriff, um es sich in der geliebten Naturlandschaft West Corks und im Kreise der örtlichen anglo-irischen Oberschicht gut gehen zu lassen.

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